Meiki, der lächelnde Engel

Es trug sich zu während meines Südafrikaaufenthaltes im Oktober 2023.

Wir spielten, kochten, lachten, tanzten, sangen, redeten, freuten uns miteinander.

Das Häuschen, in dem wir leben durften, steht, durch einen kleinen Palmengarten vom kilometerweiten Sandstrand entfernt, am Indischen Ozean und wirkt märchenhaft und romantisch.

Für Liebhaber traumhafter Gärten ist diese Welt völlig untauglich, denn die Hundertschaften an Affen fressen nahezu alles weg, was nicht in Stein gemeiselt ist.

Da helfen nur riesengroße Schüsseln, gefüllt mit Schokopudding, um ihren ersten Heißhunger im Ansatz zu stillen. Ihre übermäßige Gier auf bunte Pflänzlein ist somit einzudämmen, dezent, aber doch sichtbar im bunten Blumenbeet.

An alle Badefans: Eure Lust auf ein abkühlendes Bad könnte hier tödlich enden, was nicht selten geschieht unter den "naiven" Touristen". Die Wellen sind meterhoch und es gibt kein Entkommen, wenn sie den Sand unter euch mitnehmen. Die Kraft der machtvollen Wasserwände ist immens und unaufhaltsam.

Am dritten Tag nach unserer Ankunft reisten wir zusammen mit dem Betreuer und Gründer des Straßenkinderprojektes in ein weit entferntes Armenviertel.

Was wir in diesem Slum zu sehen bekamen, trieb uns schon auf den ersten Metern das Tränenwasser in die Augen.

Klar, wir wissen es alle, dass es dort bei hohen Außen = Innentemperaturen sehr durstige, hungernde, kachektische (abgemagerte, ausgezehrte) Menschen ohne Trinkwasser, ohne Essen, ohne jegliche Beachtung, im Dreck lebend, gibt. Es ist nocheinmal ein Unterschied, dies zu wissen oder mitten drinn zu stehen.

Hellblaue Plastikflaschenberge, Sumpflöcher in den Straßen, kaum befahrbar, das Bild ist unvorstellbar, das unsere Seelen aushalten mussten.

Wie sollte ich um Himmelswillen meine Tränen verbergen. Weinen ist dort überhaupt nicht gut. Denn ein Leben allein gibt schon Grund genug zur Freude.

Dank unseres winzig kleinen Helferkreises in Salem und drum herum, kann in Durban und Umgebung, einmal ein Bett im Slum, ein Kühlschrank in einer Lehmhütte mit " herbeigekünsteltem Strom" aufgebaut oder ein köstliches Abendessen, mit Linsen und Bohnen und Spätzle auf den Tisch gezaubert werden.

 

Und nun zu meiner kleinen Herzgeschichte.

Wir "mussten" (die Verwandten ahnten das Glück) den kleinen Meiki aus dem tiefsten Slum mitnehmen, denn er hatte das Alter für eine Vorschule erreicht. Direkt aus den Slums führte kein Weg in eine Schule. Die Kinder brauchten schon einen Heiligen im Himmel, um dies zu erlangen ("Heilige im Himmel" bedeutet soviel wie: "Beziehungen machen alles möglich").

Kurze Erläluterung hierzu: Wenn nur ein einziges Kind aus dem Slum eine Schulausbildung erfährt, dann kann es im Erwachsenenalter Hunderte aus einem Slum befreien mit seinem Wissen und Können. Und dies geschieht tatsächlich im ganz kleinen und im großem Stil.

Meiki schlief sofort ein im monotonen Motorengeräusch.

Als wir daheim, in Durban, nach Stunden angekommen waren, fand Meiki sich nicht wieder. Die vertrauten Menschen fehlten und dann solte das 4jährige Büblein noch unsere weißen fremden Gesichter ertragen müssen. Fremd, blaß, das machte Angst.

Meiki schie aus seinem tiefsten Urgrund heraus, weinen wäre gelinde ausgedrückt gewesen.

Er schrie und es schien, als wollte er nie mehr aufhören.

Wir, Freunde, meine Wenigkeit und die ihm am nächsten stehende junge Dame, nahmen das KInd mit hinunter zum Strand, glaubten, es mit den Füsslein im Sand bespaßen zu können. Nichts aber auch garnichts half, den Jungen zu beruhigen.

Ich war mit den Nerven absolut an der Grenze angekommen, denn das Brüllen und Weinen nervte uns und berührte uns im innersten Schmerzenskern.

Ich fing an zu beten.

"Lieber Gott, jetzt bitte ich Dich, Du musst jetzt helfen!"

Nur Sekunden später sprach es aus mir heraus direkt in den kleinen Meiki hinein:

"Meiki, you are an angel!"

Da Meiki auf meinen Armen, an meinem Herzen, Platz genommen hatte, spürte ich, wie seine Seele sich nach oben in seinem Körperlein aufrichtete und mir zuhörte.

Ja, die Seele bekam Ohren; wer sollte das glauben, aber ich hab´s gefühlt.

Ein weiteres Mal sprach ich dies laut aus.

Das Kind wurde still und lauschte meinen Worten und es lauschte, und lauschte von innen heraus.

Die schmerzende Traurigkeit verwandelte sich abrupt in ein strahlendes Herzenslächeln.

Bis zur absoluten inneren Stabilität sprach ich die Worte weiter und weiter: "Meiki, you are an angel!" ... gefühlte hundertmal.

Klar, Gott sagte mir: "Erinnere das Kind an sein tiefes Wissen, dass nur die innere Wahrheit die Schmerzfreiheit garantiert."

Nach Wochen bekam ich aus Südafrika eine mich zu Tränen gerührt habende Botschaft.

Sie erzählten mir, Meiki verfiele immer wieder in ein ihn plagendes Heimweh.

Jedoch, allein die Worte, dass er ein angel sei, veranlassten das Büblein zum Lächeln.

Wir wissen so viel und sind so weise. Jedoch, die Wahrheit, dass wir alle im tiefen Inneren Engel Gottes auf Erden sind, könnte so viele Augenblicke des irdischen Schmerzes in ein kleines inneres Himmelreich verzaubern.

Wer hätte gedacht, das die innere Wahrheit, unsere Engelschaft, so viel Freude macht.