Zu jener Zeit lebte ich in einer Partnerschaft mit einem Mann, den ich nicht zu lieben vermochte. Wütend auf mich selbst, im Widerstand agierend, unfähig, eine positive Entscheidung herbeizuführen, quälte ich mich und damit natürlich uns beide. Wir hatten nie gelernt, am ersehnten gemeinsamen Glück, der Harmonie und dem inneren Frieden zu arbeiten.

In schlaflosen Nächten redete ich mit Gott und mit meinen Engeln und bat um Rat und Hilfestellung, um mich unbeschadet aus der Affäre zu ziehen. Feige? Wahrscheinlich! Die Engel antworteten nicht. Und Gottes Stimme spricht nur zu einem reinen Herzen. Im Reinen mit mir selbst bin ich nicht gewesen.

Lösen, weggehen und neu beginnen, so hatte ich mir das vorgestellt. Einfach loslassen. Lieblos zusammenleben, wozu? Zeitverschwendung! Angst vor dem Alleinsein? Warum den anderen Menschen nicht freigeben? Aushalten? Durchhalten? Viele Fragen taten sich in den endlos durchwachten Nächten auf. Unsere Herzen konnten oder wollten sich nicht füreinander öffnen. Es fühlte sich so krank an. Wir redeten nicht miteinander. Wir redeten übereinander bei ohnmächtigen, getäuschten Freunden, die uns neidisch, so bekam ich zu Ohren, beobachteten und DAS TRAUMPAAR in uns sahen.

Immer wieder kreisten meine Gedanken um die Darlegung: "Bis dass der Tod euch scheidet."

Das konnte doch nicht wahr sein, dass ich in einer kranken Welt verharren musste, dass Jesus jemals in seiner tiefen Liebe diesen Plan für die Menschen in die Welt gebracht haben sollte. Wir Menschen vermögen nicht, wie Jesus zu handeln. Wir machen Fehler und tun einander weh, aus Unwissenheit aber auch aus Egoismus und Sturheit, weil wir unsere Macht nicht aufgeben wollen oder nicht aufgeben "können."

Unsinniges, mich zermürbendes Verhalten verdrehte punktuell meine Seele. Dieses Dasein entsprach nicht meiner inneren Wahrheit, die ich in Momenten des Rückzugs noch spüren konnte. Wir passten einfach nicht zusammen. Uns fehlte die Harmonie, der Gleichklang unserer Seelen und Herzen und der innere Friede und die Freude aneinander.

In ähnlich stillen, nahezu friedlichen Momenten hörte ich eine sanfte innere Stimme: "Nimm Abschied, löse Dich und werde frei!" Ja, frei werden wollte ich, wie damals, als es mir gut ging, als ich stark war und vor Begeisterung über mein Lebensglück über Baumstämme und Hecken hüpfte, in der Lebenslust nicht zu bremsen war.

 

Die Antwort brach über mich herein; aber sie kam völlig anders, als erwartet.

 

Eines morgens, es hätte ein herrlicher Sommermorgen werden können, riss mich ein Ruf aus dem Schlaf: "Waltraud, Deine Bekannte, die Barbara ist tot!" Wie ein Schock durchfuhr mich diese Nachricht.

Mir war elend und flau im Magen. Mein Kreislauf drohte abzustürzen. Ungeachtet dieser Umstände habe ich es irgendwie bewältigt, mich anzukleiden und das Haus zu verlassen. Binnen zwanzig Minuten stand ich vor der Haustüre von meiner vielleicht verstorbenen Bekannten. Meine Beine drohten zu versagen. Die Finger meiner linken Hand versuchten, den Klingelknopf zu berühren. Ich weiß nicht mehr, wie es letztendlich geschah, aber ich habe wohl doch geklingelt. Eines weiß ich noch ganz genau: Ich habe Selbstgespräche geführt und mich gefragt: "Wieso klingelst Du jetzt? Eine tote Barbara wird Dir keine Haustüre mehr öffnen können!"

In diesen Minuten beschäftigte mich nur der Gedanke, ob ich Barbara noch einmal sehen durfte. Ich betete und hoffte, dass dies, was mir nun gezeigt werden würde, erträglich sein möge. Die Angst beherrschte mich.

Die Türe ging auf und drinnen stand, mit einem Lächeln im Gesicht über meinen frühen morgendlichen Besuch, meine Bekannte. Ich fühlte meinen Zusammenbruch nahe und trat doch wortlos ein.

"Was führt Dich heute früh schon zu mir, liebe Waltraud?"

Aus mir heraus sprach es: "Ich habe geträumt, dass es Dir nicht gut geht." (Es versteht sich, dass es unpassend gewesen wäre, an dieser Stelle die reine Wahrheit zu sagen).

Worauf Barbara antwortete: "Du hast recht. Aber komme doch erst einmal herein und setze Dich zu mir, dann werde ich Dir alles erzählen."

Wir betraten ihr Wohnzimmer und setzten uns an ein kleines rundes Tischchen mit einem Spitzendeckchen. Barbara bot mir ein Getränk an, das ich dankend ablehnte. Der Schock saß in meinen Knochen: "Was mache ich hier?" Dann jedoch, begann Barbara zu erzählen:

"Gestern habe ich erfahren, dass meine Befunde sehr schlecht sind und mein Krebs wiedergekehrt ist. Ich werde nicht mehr lange leben." Und als sie begann, von ihrem sie betreuenden Arzt, dem Operateur aus dem Klinikum und der daran klebenden unerfüllten Liebesbeziehung zu erzählen, überzog ein dunkler Schatten ihr hübsches Gesicht. Er habe versprochen, sich von seiner Ehefrau zu trennen und mit ihr, mit Barbara, eine Zukunft aufzubauen. Gestern jedoch erörterte er ihr diesen ihren Irrtum und wäre versucht gewesen, das Missverständnis ihrerseits aufzuklären, wie er es auslegte.

Ihr Lebenswille versiegte gänzlich. Sie fühlte sich im Stich gelassen und bitter enttäuscht. Aber nicht nur diese Liebesbeziehung hätte ihr neuen Lebenssinn gegeben, wie sei es nannte. Ihre Mutter, die sie jetzt gebraucht hätte, wich im Streit ebenfalls von ihrer Seite. Ihre momentane Haltlosigkeit und die damit aufkommenden Ängste seien unerträglich geworden und machten ihr den Tag und die Nacht zur Hölle. Niemand vermochte ihr auch nur ein klein wenig Geborgenheit zu schenken.

Sie tat mir von Herzen leid. Stundenlang hätte ich ihr zuhören mögen. Es war sehr traurig anzuschauen, wieviel ein junger, hübscher, für mich liebenswerter Mensch aushalten musste. Wie konnte ich ihr helfen? Da sein, zuhören, trösten. Aufbauen brauchte ich sie nicht mehr. Sie wollte nicht mehr weitermachen, weiterhin kämpfen. Das Atmen strengte sie an. Alles wurde ihr jetzt zuviel. Sie wirkte leer, wie tot, abgestorben und eisig kalt, leicht blau angelaufen vor innerer Kälte.

Die Zeit, die ich mit ihr verbracht hatte, werde ich nie mehr in meinem Leben vergessen. Noch heute sehe ich diese wunderschöne, untröstliche Frau vor mir sitzen, völlig entmutigt und bereit, für immer Abschied zu nehmen.

Dann verließ ich ihr Zuhause. Für uns beide war es gut so.

Mein kleiner hellblauer VW Käfer wartete auf mich. Wir verließen diesen traurigen Ort und ich weinte bitterlich vor mich hin. Doch dann überkam mich eine unsagbare Wut : "Liebe Engel, das war zuviel! Das macht ihr mit mir nie wieder! In solchen Anliegen bitte ich euch, mit mir schonungsvoller umzugehen. Barbara ist nicht tot. Ihr hättet mich auch hinschicken können unter dem Vorwand, mit ihr eine Tasse Tee zu trinken und mit ihr über Gott und die Welt zu plaudern!" Ich wollte mich nicht mehr beruhigen. Doch dann hatte ich allen Zorn ausgesprochen und es wurde unbeschreiblich still in meinem Inneren. Zeitnah hörte ich eine Stimme über mir sprechen (das war in meinem Leben nichts Besonderes. Schon in meiner Kindheit redeten die Engel zu mir): "Waltraud, Du wolltest wissen, was es bedeutet - bis dass der Tod euch scheidet -. Du hast soeben die Antwort darauf erhalten. Barbara ist tot. Die Liebe in ihrem Herzen ist erloschen. Wut, Hass und Unversöhnlichkeit haben  ihre Seele zerfressen. Sie ist nicht bereit, zu vergeben, nicht bereit, Fehler einzugestehen und zu reflektieren, ihr eigenes Versagen anzuerkennen. Das hat sie nicht gelernt und sie ist bis zum heutigen Tag in ihrer Entwicklung nicht vorangeschritten. Ihre Zellen sind entartet, sind bösartig geworden und sie ist auch nicht willens, zu lernen und umzukehren. Sie hat sich von Gott, der Herzensliebe abgewendet aus reinem Egoismus und Habgier. Einen Menschen besitzen zu wollen, das ist keine Liebe. Der Tod ist eingekehrt in ihrem Herzen, ihrer Seele und in ihren Gedanken. Das wollten wir Dir sagen!

- Bis dass der Tod euch scheidet - , damit wollen wir die Menschen darauf hinweisen, dass sie täglich auf ihr inneres Licht, ihre Liebe im Herzen, das Licht in ihrer Seele achten sollen, um wahrhaft lebendig zu bleiben.

Bald darauf durfte Barbara für immer die Augen schließen. Es ist ihr Wille gewesen, und sie musste nicht mehr allzu lange in dieser kalten Welt ihr Dasein fristen. Gott gebe, dass die Engel sie in ein warmes Licht hineingetragen haben, dorthin, wo es keine Lieblosigkeit gibt.

Noch heute tut es mir leid, dass ich ihr nichts vom inneren Licht des Herzens und der Seele erzählen konnte. Ich habe es selbst nicht gewusst. Und wenn ich etwas davon geahnt habe, so war ich zu jener Zeit nicht imstande, diesem Menschen darüber zu erzählen und ihn am Schopfe aus dem Seelensumpf zu ziehen. Ich bewegte mich zu jener Zeit selbst auf unsicherem Terrain.

Heute, nach Jahren der eigenen Bewusstwerdung und meinen weit offen stehenden Herzenstüren weiß ich, den inneren Tod abzuwenden, Burnouts zu erhellen und die Herzen und Seelen mit dem Feuer der Liebe zu erfüllen. Ich lasse den Tod meiner "Zöglinge" nicht mehr zu, wenn Gott das Leben will. Er schickt mir die Menschen, die ich zum Leben erwecken soll. Da verzieht sich mein Mund zu einem kleinen Lächeln. Eine alte Dame aus dem Allgäu pflegte zu sagen, als ich in zeitlich großen Abständen, vielleicht vierteljährlich, ihren Hofraum betrat: "Erwecken Sie uns zum Leben!" Ich wusste nicht, wie sie das meinte. Mit meinem sonnigen Wesen habe ich wohl, damals noch unbewusst, lauter Lebendige hinerlassen, die lebensmüde geworden waren.

Gott hat mir die Gnade erwiesen, den Menschen beizustehen und ihnen zu zeigen wie sie ihr inneres Licht im Herzen und in den Seelen wieder aufleuchten lassen können. Ich darf den Menschen zeigen, wie sie selbst, anhand von Atemtechniken, Öffnungsprozesse einleiten und das Licht auffüllen können.

Die Engel fügten hinzu: "Wenn die Liebe in der Partnerschaft erloschen ist, dann ermahnen wir euch, eurer Wege zu ziehen . Jeder Mensch soll seinen eigenen Weg für sich ergründen und sein Herzens- und Seelenlicht neu entfachen. Wenn dies geschieht, dann nur ist ein Mensch "am Leben."

Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass ich mit einem weinenden und einem winzig kleinen lächelnden Auge, gänzlich ohne jegliche Schuldgefühle, meinen damaligen Lebenspartner in die Freiheit entlassen konnte. Bald stellte sich heraus, dass dies die Chance für uns beide war, ein neues "Leben" zu beginnen. Ein Ende trägt den Neubeginn in sich.

Wenn die Engel zu mir sprechen, lege ich jegliche Zweifel sofort beiseite und handle in ihrem Sinne und unverzüglich. Für meine Engel gebe ich meine Hände.

Manchmal habe ich mich gefragt, warum sie mich damals so lange auf eine Lösug warten ließen.

Darauf kann ich mir heute selber die Antwort geben. Engel beobachten lange, wie intensiv und ernstgemeint unser Wille ist, etwas ins Lot zu bringen. Erkennen sie ein wahrhaftiges Interesse, dann stehen sie uns mit Rat und Tat zur Seite.

Wenn wir selbst still werden und uns im Lauschen üben, können wir die engeligen Eingaben in unseren Geist daran erkennen, dass alles leicht und einfach wird, und Engel regen gerne zum Schmunzeln an. Ich glaube, die Engel weinen sehr viel über die Menschen. Sie können sicherlich nicht fassen, wie kompliziert wir so Manches angehen und wie viele Sorgen wir uns um nichts machen. Wir denken heute, ein halbes Jahr vorher, schon darüber nach, wie es wohl in einem halben Jahr weitergehen soll.

Das wissen wir nicht, denn die Atemluft mit dem angereicherten Gottesgeist, der Antwort, die wir dann für diesen Moment brauchen, atmen wir erst in einem halben Jahr ein. In dieser Luft liegt dann das Programm für das JETZT.